Offener Brief an Ver.di und den Vorstand der Charité

Offener Brief an Ver.di und den Vorstand der Charité

Mit diesem Schreiben möchten wir, Mitarbeiter_innen der Fakultät, unseren großen Unmut über Form und Ergebnisse der zwischen Ver.di und der Charité geführten Tarifverhandlungen und die damit verbundene eindeutige Benachteiligung der Fakultätsbeschäftigten kundtun.

Wir fordern folgende Nachbesserungen des Tarifergebnisses für die Beschäftigten der Fakultät:

  • Beschleunigung der Angleichungsschritte für die höheren Entgeltgruppen
  • Sofortige Einführung der Leistungsstufe  6 in den Entgeltgruppen 9 bis 15
  • Befristungsregeln in Anlehnung an den TV-Ärzte (Einstellungsvertrag auf Hausstellen: 2 Jahre, Verlängerungsvertrag auf Hausstellen 3 Jahre, Befristung bei Drittmittelverträgen entsprechend dem Bewilligungszeitraum)
  • Angleichung der Tabellenentgelte für wissenschaftliche Mitarbeiter an den TV-Ärzte (gleicher Lohn für gleiche Arbeit)
  • Wiedereinführung der Altersteilzeitregelungen
  • Einführung eines Sabbatical-Jahres
  • Anerkennung der tatsächlichen erbrachten Lehrleistungen
  • Transparenz bei der Verwendung von Fakultätsmitteln aus den Landeszuschüssen

Begründung:

Im Jahr 2006 fanden zum ersten Mal Tarifverhandlungen zwischen Ver.di und der Charité statt. Ver.di beanspruchte damals, wie auch heute, für den Klinikbereich und für die Fakultät zu verhandeln. Die Realität des 2007 abgeschlossenen Tarifvertrages machte bereits damals deutlich, dass die Belange der Fakultät nur sehr unzureichend berücksichtigt wurden!

Auf der Suche nach einer starken Vertretung für die Fakultätsbeschäftigten haben sich Mitarbeiter_innen aus den Bereichen Forschung und Lehre im Herbst 2010 in einer Betriebsgruppe der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisiert. Ziel war und ist es, aktiv an der Gestaltung eines neuen Tarifvertrags mitzuwirken, um die prekäre Situation der Fakultätsmitarbeiter_innen zu verbessern. Eine Beteiligung der GEW an den Tarifverhandlungen scheiterte jedoch am Widerstand der DGB-Gewerkschaft Ver.di.

Der Streik im Jahre 2011 wurde in der Öffentlichkeit allein als Streik des Pflege- und Versorgungspersonals dargestellt und wahrgenommen. Die Fakten sahen anders aus: Als Fakultätsmitarbeiter_innen haben wir uns – mit der Unterstützung der Studierenden! – mit Protesten und Arbeitsniederlegungen aktiv am Arbeitskampf beteiligt. Trotzdem stehen im neuen Tarifvertrag die Interessen der Fakultätsangehörigen erneut an letzter Stelle. Ver.di hat unseren solidarischen Einsatz ignoriert und unsere Bemühungen um verbesserte Tarif- und Arbeitsbedingungen für die an der Fakultät angestellten Wissenschaftler_innen und technischen Mitarbeiter_innen nicht unterstützt.

Wir sehen durchaus die hohe Belastung der Kolleg_inn_en in der Klinik und anerkennen ihren Verhandlungserfolg. Aber so sehr wir uns über die wesentlichen Verbesserungen für die Beschäftigten im Pflegebereich (z.B. Wechselschichtzulage, die Zulage beim Holen aus dem Frei, Nachtzuschlag) freuen, so wenig wollen wir eine fortgesetzte Benachteilung der Fakultätsbeschäftigten akzeptieren.

Schon die vereinbarten Erhöhungen von 150€/2011 und 50€/2012 bedeuten eine Ungleichbehandlung, die vor allem zu Lasten der Fakultät geht. Denn:

Eine Entgelterhöhung um 150€ zum 01.07.2011 bringt in  der

E5      Stufe 3         (1970 € Brutto): 7,6 % Steigerung

E9      Stufe 3         (2410 € Brutto): 6,2 % Steigerung

E13    Stufe 3         (3300 € Brutto): 4,5 % Steigerung.

Ab 2013 werden die hauptsächlich in der Fakultät vertretenen Entgeltgruppen verzögert angehoben und bleiben dabei auf Dauer unterhalb der analogen Entgelte im TV-Ärzte. Dieses nicht zu akzeptierende Ergebnis wurde dann auch gleich bis zum Jahr 2016 festgeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt wird ein/eine Charité-Wissenschaftler/in, sofern er/sie überhaupt so lange beschäftigt ist, dann auf eine ganze Dekade mit Einkommensverlust zurückblicken können.

Wir, die in Lehre und Forschung tätigen Charité-Mitarbeiter_innen sind entscheidend am großen wissenschaftlichen Erfolg der Charité beteiligt. Die Charité ist die forschungsstärkste medizinische Fakultät in Deutschland und wirbt die meisten Drittmittel ein. Diese Spitzenposition zu halten ist nur mit uns möglich, den bisher immer hochmotivierten Mitarbeiter_inne_n der Fakultät.

Wir haben vor zwei Semestern den Modellstudiengang für Medizin mit eingeführt und unterrichten jetzt parallel in drei Medizinstudiengängen. Auch hier, insbesondere bei der Planung und Durchführung der neuen Veranstaltungen, wird ein Großteil der Arbeit von uns geleistet. Wir gehen zu den zahlreichen Modulplanungssitzungen, konzipieren dann unsere neuen Lehrveranstaltungen an unseren freien Wochenenden und rüsten die neuen Praktika aus. Ohne uns wird der Modellstudiengang nicht gelingen und kein Erfolg werden!

Deshalb fordern wir eine umgehende Nachverhandlung des Tarifabschlusses 2011 für die Arbeitnehmer_innen in der Fakultät unter Einbeziehung der GEW.

die GEW-Betriebsgruppe der Charité

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